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BERLIN, im Dezember. Die Auslandsschulen spielen im bildungspolitischen Alltag Deutschlands ein Schattendasein. Sie werden hierzulande meist stiefmütterlich behandelt. In den Hauptstädten der jeweiligen Gastländer jedoch stehen sie im Blickpunkt des kulturellen Interesses. Nicht selten pflegen sie seit vielen Jahren die intensive Zusammenarbeit mit Goethe-Instituten oder deutschen Bibliotheken und gehören so zu einem Zentrum für deutsche Kultur. Angesichts der finanziellen Kürzungen der letzten Jahre wurden die Möglichkeiten der auswärtigen Kulturpolitik erheblich beschnitten. Nun besinnt sich das Außenministerium darauf, die kulturelle Infrastruktur zu stärken und Goethe-Institute, Schulbildung im Ausland und Außenwissenschaftspolitik zu stärken.
Auf Initiative des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom Stiftung, des früheren Außenministers Klaus Kinkel, haben sich vor kurzem die Vertreter sämtlicher Wissenschaftsorganisationen mit dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Jürgen Thumann, und Außenminister Steinmeier (SPD) in Berlin zu einem offenen Meinungsaustausch bei einem Kamingespräch in Berlin getroffen. Es war das erste Mal, dass sich tatsächlich Wirtschafts-, Wissenschafts- und Hochschulvertreter sowie Fachleute der zuständigen Ministerien zu einem informellen Gespräch trafen.
Die Ankündigung Bundesaußenminister Steinmeiers, die Goethe-Institute wieder zu vermehren, statt sie zu schließen, zeigt ein völliges Umlenken in der Kulturpolitik an. Seit Amtsantritt der großen Koalition in Berlin habe sich das Budget für die auswärtige Kultur- und Bildungspolitik um hundert Millionen Euro erhöht. Allein für die Goethe-Institute seien in den Jahren 2006 und 2007 11,3 Millionen Euro und für 2007 und 2008 25,9 Millionen Euro ausgegeben werden, was sich auf 196,9 Millionen Euro summiert.
Es geht um die größte Investition seit Gründung des deutschen Schulwesens im Ausland.
Im kommenden Jahr soll auch die Anzahl der Auslandsschulen aufgestockt werden.
Bisher gibt es 117 deutsche Auslandsschulen in 63 Ländern und über 400 Schulen im Ausland mit deutschsprachigem Zweig. Das sind Schulen, an denen ein Sprachdiplom Deutsch erworben werden kann, das gemeinsam mit einer nationalen Hochschulzugangsberechtigung zum Studium in Deutschland berechtigt. Während bisher etwa 500 Schulen beteiligt sind, sollen es mindestens 1000 Partnerschulen werden - insbesondere in Wachstumsregionen wie Asien und in der Golfregion, in denen Deutschland unterrepräsentiert ist, sowie in den Schwerpunktregionen in Mittel- und Osteuropa.
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Andere europäische Staaten haben die Bedeutung ihrer auswärtigen Kulturpolitik viel früher erkannt und das schulische Netz entsprechend ausgebaut. Dazu gehören etwa Frankreich mit 252 Auslandsschulen in 130 Ländern und 40 unabhängigen Schulen. Während Deutschland jeden Schüler an einer deutschen Auslandsschule mit 2000 Euro fördert, sind es in Frankreich weit mehr als 2000 Euro. Großbritannien verfugt über 178 Schulen in 135 Ländern, Italien über 169 Auslandsschulen und 110 Schulen mit italienischen Zweigen. Die Vereinigten Staaten haben 194 Auslandsschulen in 135 Ländern. Die deutschen Schulen sind zwar international offener als alle übrigen.
Sie weisen etwa 75 Prozent Dritt- und Gastländer auf, in französischen Auslandsschulen liegt der Anteil nur bei 55 Prozent, dafür investieren die anderen Länder wesentlich mehr in die einzelnen Schüler (bei den Spaniern sind es pro Schüler sogar über 4000 Euro). Der Kulturhaushalt des Auswärtigen Amtes wächst auf 658 Millionen (plus 15,6 Prozent), wovon 44,8 Millionen für die Schulinitiative sowie weitere 20 Millionen für ein Sonderprogramm Afrika geplant sind. Es handelt sich um die größte Investition in schulische Bildung im Ausland seit Gründung des deutschen Auslandsschulwesens. Schulische Bildung sei ein zentrales außenpolitisches Thema, begründete Steinmeier die Aufstockung der Mittel.
Angesichts der miserablen Selbstdarstellung Deutschlands im Ausland, aber wenig attraktiver Repräsentanz durch Dauerkonflikte zwischen Schulvorstand und Schulleitung an einigen deutschen Auslandsschulen, ist eine Verstärkung der auswärtigen Kulturpolitik längst überfällig.
Wie die Leitungsstrukturen verbessert werden können, ist eine noch ungelöste Frage; die Qualität soll jedenfalls besser werden, es sollen mehr Lehrer entsandt und die Ganztagsangebote sollen ausgebaut werden. Die Schulabgänger sollen mehr Stipendien erhalten (es ist von einer Verdoppelung der DAAD -Stipendien von 60 auf 120 Euro die Rede), das Schüleraustausch- programm soll intensiviert und es sollen Schulgütesiegel mit einer einheitlichen Leistungsbewertung eingeführt werden. Die Bundesregierung führt derzeit Gespräche mit den großen deutschen Unternehmen, um das Studienprogramm mitzufinanzieren und Tutorien zu übernehmen.
Die bürokratischen Hürden sind damit noch nicht beseitigt. Es ist absurd, dass wissenschaftliche Mitarbeiter der Max-Planck-Gesellschaft um die Anerkennung ihrer Abschlüsse kämpfen müssen und Hochschulzugangsberechtigungen aus dem europäischen Ausland mit vergleichbaren Anforderungen teilweise nicht anerkannt werden. Solange solche Fragen nicht gelöst sind, werden auch die viel versprechenden Anstrengungen der Außenwissenschaftspolitik keine bleibenden Erfolge zeitigen können.
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